Nile Trip 2015

 

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Dinge, die man gemacht haben muss. Bootsreise auf dem Nil zwischen Assuan und Luxor. Viel Spass!

Regarding the topic: Things you have to do in your life. Nile Cruise between Assuan and Luxor. Enjoy!

 

Samuel wurde geboren…

Samuel

Wenn bei Euch die Zeit auch so schnell vergeht wie bei mir…Ich blicke auf den letzten Blogeintrag zurück und merke…der ist ja schon wieder zwei Monate her…

Das hat wohl sehr stark mit „unserer“ Schwangerschaft zu tun (Ich ertappe mich gerade bei dem Gedanken, wie ich abwäge, schreibe ich jetzt „wir sind schwanger“ oder „Konny ist schwanger“ :-)).

Den ersten Schwangerschaftsratgeber „Papa to go“ habe ich nach circa der Hälfte des Buches abgebrochen. Mal abgesehen davon, dass dieser Idealvater bereits seit dem ersten Tag der Schwangerschaft Tagebuch schrieb, seine Frau ca.  100 Mal am Tag fotografierte und beim Geburtsvorgang (das unterstelle ich ihm jetzt einfach mal) wohl eine Actionkamera trug, dachte ich mir, so werde ich dann wohl doch nicht werden. Auch bestand unsere Abendbeschäftigung, im Gegensatz zum Fallbeispiel aus dem Ratgeberbuch „Papa to go“  nicht ausschliesslich darin, abends Millionen von Namen durchzugehen. Als ich meinem Bruder die sechs Seiten Einkaufsliste „Vor der Geburt zu besorgen“ am Telefon vorlas und er die Übung bei der Wärmelampe (Zitat: „Damit der Kleine keine Gänsehaut bekommt“) mit einem Lachen abbrach, wusste ich, „oh, dass wird dann wohl doch nicht so teuer werden“. Das erwies sich jedoch als ein Irrglaube, als ich später geschlagen meiner Frau das Feld um die Wahl des Kinderwagens räumte. Da jedenfalls muss ich dem Autor des Ratgeberbuches Recht geben. Sie will es, sie kriegt es.

Insgesamt gesehen ist alles gut verlaufen. Ende August haben wir Kairo verlassen, da der deutsche Regionalarzt der Botschaft vor einer Geburt in Ägypten auf Grund hygienischer Mängel abgeraten hat. Hinzu kommt noch eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass ein Kaiserschnitt durchgeführt wird.  Also flogen wir ins Nachbarland nach Israel, wo wir das Kind geplant so gegen Mitte, Ende Oktober bekommen sollten. Wir haben uns eine kleine Wohnung gemietet und werden bis Mitte Dezember hier in Jerusalem die gute Luft, das gute Essen, den Sonnenschein und die Ruhe genießen. Insgesamt ist die Schwangerschaft prima verlaufen, aber das Baby wollte nicht länger im Bauch rumgetragen werden, sondern lieber früher als später live dabei sein. Etwas vor dem errechneten Termin ist am 10.10.2014, um 22.22h der kleine Samuel mit einem Gewicht von 3055g und 50cm Körpergröße auf die Welt gekommen. Die Geburt selber war etwas kompliziert, aber Mutter und Kind geht es gut und wir geniessen die ersten Tage zu Dritt.

 

 

 

Stromausfälle…

…Die Tage ziehen nur so rasend vorbei. Seit der überwältigenden Wahl des Präsidenten (fast 100%) versucht Sisi das Land auf Vordermann zu bringen. Das ist zwar auf Grund massiver Strukturprobleme, wie der unkontrollierten Geburtenrate (1 Million Geburten alle 8 Monate, es ist wirklich ein kinderfreundliches Land), dem riesigen Unterschied zwischen Arm und Reich und den alt installierten Strukturen ein schier unmögliches Unterfangen.

Der Regierung freundlich gesonnene, reiche, arabische Golfstaaten subventionieren nach wie vor den maroden Staatshaushalt, so dass sich die Regierung weiterhin so durchwurschteln kann. Eines der wichtigsten Leistungen des Staates war bis jetzt nämlich die nahezu kostenlose, bzw. äusserst billige Versorgung der Bevölkerung mit Brot, Wasser, Strom und Benzin. Denn was uns einfach nur als unglaublich günstig erscheint, ist für die Millionen Ägypter, die sich an der Grenze zur absoluten Armut befinden, überlebensnotwendig. Nahezu 70 Prozent des ägyptischen BIP geht alleine in Subventionen für Strom und Benzin, damit bleibt aber dem Staat kaum noch Geld für Investitionen in Infrastruktur, Bildung, medizinische Versorgung, etc. Um Geld zu sparen, ist die Regierung nun seit Monaten schon dazu übergegangen, regelmäßig ein bis drei Mal am Tag für ca. eine Stunde den Strom abzustellen. Wenn die Leute nämlich weniger Strom verbrauchen, spart der Staat die Kosten für die Subventionierung des Strompreises. Zwar wurde gerade die längst überfällige kräftige Anhebung der Strompreise und Benzinpreise beschlossen, aber dabei muss die Regierung die Balance zwischen der dringend benötigten Einnahmensteigerung finden und dem, was der Bevölkerung zuzumuten ist, ohne die nächste Revolution auszulösen. Die Grundidee, die Preiserhöhung nach Einkommensklassen gestaffelt vorzunehmen, wurde auch umgesetzt, leider zahlen aber nicht die Reichen (die den meisten Strom verbrauchen) prozentual mehr, sondern – Trommelwirbel – die Ärmeren.

Was macht man nun aber in stromlosen Zeiten? Mit Sicherheit redet man mehr bei Kerzenschein. Man kauft sich Kerzen und wird Spezialist dafür, welche eher romantisch und welche auch wirklich richtig viel Licht werfen. In einigen Abschnitten der Stadt wird der Strom auch gar nicht abgeschaltet. Das sind privilegierte Gebiete wie z.B. der Sportclub der reichen Eliten. Die meisten Compounts haben auch gute Generatoren. Wenn man aber in einem normalen Haus in der Stadt wohnt und nicht ausserhalb im Compount, dann kann es passieren, dass man eine Stunde im Aufzug festhängt (leider ist es nicht berechenbar, wann der Strom abgeschaltet wird) oder man im Fernsehen das Ende des Films verpasst. Eine tragische Komponente bekam der Stromausfall während der Fussball WM, die Übertragung einiger Spiele wurden unterbrochen, zum Glück hat es aber nie die Spiele der deutschen Mannschaft getroffen. Wenn man nicht schnell genug reagiert, dann kommt es auch oft vor, dass bei Anschaltung des Stroms auf Grund der unreguliert einschiessenden Strommenge einige Elektrogeräte durchbrennen. Ansonsten versuchen wir aber die Stromausfälle mit der gleichen Geduld zu nehmen wie die Ägypter um uns herum und die vielen positiven Aspekte zu sehen: Gespräche bei Kerzenschein statt Internet und Fernsehen, ruhige Stunden und sportliche Betätigung wenn der Aufzug ausfällt und man die guten Vorsätze, doch mal die Treppen zu nehmen, auch wirklich in die Tat umsetzt.
Auch in einem anderen Punkt haben wir schon von Ägypten gelernt und uns von der oben erwähnten hohen Geburtenrate anstecken lassen: Unser erstes Kind erwarten wir Mitte Oktober.

PS   das Weltmeisterschaftsfinale verbrachten wir im Garten der Botschaft. Hier das Video eines ägyptischen Fernsehsenders:

http://www.youtube.com/watch?v=txw3j3vwW_I